100 Jahre bewegter Geschichte
Landeskirchliche Gemeinschaftund EC-Jugendbund in Osnabrück
Die
Anfänge
1900
Mitglieder aus dem Evangelischen Männer-
und Jünglingsverein
in Mülheim/Ruhr (u.a. Heinrich Gausmann und Johann Trebbe) tragen
den Gemeinschaftsgedanken nach Osnabrück. Zusammenkünfte
(Bibel- und Gebetsstunden) finden in Privathäusern statt. Pastor
Langen, Bergkirche, schließt sich dem Kreise an, dient in seinen
Versammlungen und fördert die Evangelisationsarbeit. Umzug in
die "Herberge zur Heimat" an der Osterberger Reihe. Abwechselnd
mit Pastor Langen übernimmt Reiseprediger
Friedrich Eckhardt Verkündigungsdienste.
Die
erste Landeskirchliche Gemeinschaft und der erste
EC-Jugendbund in Osnabrück
1902 Am
21. September Gründung der ersten Landeskirchlichen Gemeinschaft
in Osnabrück. Der Postschaffner Johann Trebbe wird zum Vorsitzenden
gewählt. Betätigungsfeld: Gemeinschaftspflege, Evangelisation,
Jugend- und Kinderarbeit. Anschluss an den "Verband landeskirchlicher
Gemeinschaften in Hannover".
1905
Am 2. Juli wird der erste "Jugendbund für entschiedenes
Christentum" (EC) in Osnabrück gegründet. Erste "Tätige
Mitglieder": Frd. Gottschalk, K. Hukke, A. Winter, J. Löning,
Wilh. Staas und andere.
Wegen unterschiedlicher Auffassungen über die innere Struktur
der Arbeit zieht sich Pastor Langen aus der Gemeinschaft zurück.
Diese zieht in die "Alte Münze" (Nähe Ledenhof)
um.
Die Gemeinschaft erwirbt Baugrundstücke an der Rehm- und an der
Langen Straße. Sie baut zwei Wohnhäuser mit einer Speisewirtschaft,
einer christlichen Buchhandlung und einer Bügelstube, ferner
einen Gemeinschaftssaal für etwa 500 Personen. Baukosten etwa
100000 Reichsmark. Am 29. November wird der Saal eingeweiht.
1908
Die Gemeinschafts- und Jugendbundarbeit entfaltet sich zusehends.
1919
In schwieriger finanzieller Situation (Nachkriegszeit) werden die
Wohnhäuser verkauft, um der Gemeinschaft den Saal erhalten zu
können.

1935
Am 11. Mai wird der Bankbeamte Konrad Pegel
zum Vorsitzenden gewählt.
1940 Prediger Friedrich Eckhardt stirbt
nach arbeits- und segensreichem Leben am 9. September.
1945 Bei einem Luftangriff am 24.
März wird der Gemeinschaftssaal völlig zerstört. Durch
zeitbedingte Schwierigkeiten (Nationalsozialismus, Frontdienst der
Männer, Luftangriffe) und den Verlust des Saales geht die Zahl
der Mitglieder stark zurück.
Eine zweite Landeskirchliche Gemeinschaft
in Osnabrück
1905 Mit Pastor Langen hatten sich
weitere Mitglieder aus der von Prediger Eckhardt geleiteten Gemeinschaft
gelöst. Dieser Kreis gründet die "Landeskirchliche
Gemeinschaft Immanuel". Vorsitzender (gewählt auf Lebenszeit)
wird Pastor Langen, sein Stellvertreter Prokurist Heinrich Gausmann.
Versammlungsort: "Herberge zur Heimat". 
Der Kreis wächst sehr schnell.
Mitglieder der Gemeinschaft dienen
als Helfer in der Bergkirche im Kindergottesdienst. Die Landeskirchliche
Gemeinschaft Immanuel schließt sich dem Hannoverschen Gemeinschaftsverband
an. Die Gemeinschaft gründet einen selbständigen Blau-Kreuz-Verein.
Vorsitzender: Wilhelm Poets (1905 - 1919), danach Pastor Ites (2.
Pastor an der Bergkirche), Stellvertreter: Heinrich Gausmann. Der
Verein wird Mitglied des Barmer Hauptvereins des Blauen Kreuzes.
1907 Der
Christliche Verein Junger Männer, CVJM wird durch Initiative
von Pastor Langen ins Leben gerufen.
1908 Am
20. April (Ostermontag) wird nach Erwerb und Umbau eines alten Bürgerhauses
das Blau-Kreuz-Haus an der Dielinger Straße eingeweiht. Darin
versammeln sich der Blau-Kreuz-Verein, die Landeskirchliche Gemeinschaft
Immanuel, der EC (s. u.) sowie - bis zur Einweihung seines eigenen
Hauses am Kamp - der CVJM.
Am 12. - 15. Mai findet die 4. Hannoversche Gemeinschaftskonferenz
im Festsaal in Osnabrück statt.
1910 Pastor
Langen erkrankt. Mehr als 2 Jahre hält er sich zur Heilung außerhalb
Osnabrücks auf. Heinrich Gausmann leitet als stellvertretender
Vorsitzender die Gemeinschaft in dieser Zeit. Nach seiner Rückkehr
dient Pastor Langen, inzwischen im Ruhestand, der Gemeinschaft nach
Kräften in großer Treue. Sein Nachfolger im Pfarramt ist
Pastor Engels.
1927
Die Gemeinschaft beruft Baron Richard von Mosch als Prediger. Am 17.
Mai stirbt Pastor Langen. Heinrich Gausmann wird zum Vorsitzenden
gewählt.

1933
Anstellung von Gemeindeschwester Anna Brandt aus der Frauenmissionsschule
Bibelhaus Malche in Freienwalde.
1938 Das
gute Verhältnis zwischen dem Blau-Kreuz-Verein und der Landeskirchlichen
Gemeinschaft Immanuel wird getrübt. Die Blau-Kreuz-Hauptstelle
in Barmen übernimmt das Führerprinzip und strebt eine zentralistische
Leitung an. Heinrich Gausmann, der als derzeitiger stellvertretender
Vorsitzender wegen Erkrankung von Pastor Ites die Geschäfte leitet,
wird zum Rücktritt aufgefordert. Gemeinschaft und EC ziehen aus
dem Blau-Kreuz-Haus aus und finden Aufnahme im Lutherhaus (Gemeindehaus
der St.-Katharinen-Kirche).
1939
Die Gestapo löst den CVJM auf.
Sein Sekretär, Helmut Hass, wird von der Gemeinschaft für
den 1932 erkrankten und 1937 gestorbenen Prediger von Mosch als Gemeinschaftsprediger
übernommen. Mehrere CVJM-Mitglieder, unter ihnen Friedrich Kimmel
und Hermann Kock, schließen sich der Gemeinschaft an.
1939 bis 1945 Ein
großer Teil der männlichen Mitglieder wird zum Heeresdienst
eingezogen, darunter auch Prediger Hass. Die Arbeit in der Gemeinschaft
wird durch die Gestapo und durch Kriegsereignisse erschwert. Sie verläuft
in stiller, aber doch fruchtbarer Weise. Ihrem Selbstverständnis
einer Landeskirchlichen Gemeinschaft treu, übernimmt die Gemeinschaft
zahlreiche kirchliche Dienste. Insbesondere Heinrich Gausmann, H.
Schwägler und H. Schweppe predigen jahrelang im Osnabrücker
Land in Gottesdiensten verschiedener lutherischer, reformierter und
unierter Kirchen, deren Pastoren zum Kriegsdienst eingezogen worden
waren. Das Lutherhaus muss wegen Kohlenmangels zeitweilig geschlossen
werden. In einer Bombennacht des Jahres 1942 wird der Saal des Lutherhauses
ein Raub der Flammen. Versammlungen der Gemeinschaft werden vorübergehend
in Privaträume in der Nachbarschaft verlegt.
Ein zweiter EC-Jugendbund in Osnabrück
1919 Pastor
Bell von der St.-Katharinen-Kirche gründet mit Gemeindegliedern
die "Friedensgemeinschaft". Ihre Bibelstunden finden im
"Evangelischen Vereinshaus" an der Seminarstraße statt.
Junge Menschen dieses Kreises haben den Wunsch, unter sich zusammenzukommen.
Sie gründen einen "Jugendbund für entschiedenes Christentum"
- neben dem an der Langen Straße der zweite EC-Jugendbund in
Osnabrück. Vorsitzender wird Schneidermeister August Pellmann.
Anfänglich finden die Versammlungen im Wohnzimmer der Familie
Landwehr, Adolfstraße, später im Haus Bethanien, Dielinger
Straße (Heim der Marburger Schwestern), schließlich im
Blau-Kreuz-Haus statt. Mit der Gemeinschaft Immanuel zieht dieser
EC später in das Lutherhaus um. Zwar durch die Zeitumstände
stark geschrumpft, geht doch die EC-Arbeit auch in den Kriegsjahren
in Stille und Treue weiter. Besonders erwähnenswert ist die Betreuung
junger, in Osnabrück stationierter Wehrmachtsangehöriger
durch die Familie Pellmann. In ihrem Haus findet auch regelmäßig
die Soldaten-Bibelstunde unter Beteiligung verschiedener Dienstgrade
statt.
Eine dritte Landeskirchliche Gemeinschaft
in Osnabrück
Etwa1920 Aus
dem "Komm-Mit-Verein" im Haus Bethanien, Dielinger Straße,
bildet sich eine zunächst kleine Gemeinschaft unter der Leitung
einer Marburger Schwester. Im Hause Johannisstraße 73 weitet
sich dieser Zweig der Gemeinschaftsarbeit aus, auch entwickelt sich
eine kleine EC-Jugendbundarbeit. Wegen räumlicher Enge mietet
die Gemeinschaft eine Etage mit Saal und Schwesternwohnung im Hause
Karl Tiemann, Johannisstraße 100. In Treue wird die Frohe Botschaft
weitergegeben; im besonderen geschieht dies durch die "Schriftenmission".
Das Gebäude mit den Gemeinschaftsräumen fällt einem
Bombenangriff zum Opfer. Im Hause der Familie Steinkamp, Uhlandstraße,
findet der geschrumpfte Kreis Unterschlupf, und Diakonie-Schwester
Helene Gruhlke erhält dort einen Wohnraum. Einzelne größere
Versammlungen kann der Kreis in der Bergkirche und in der Kantine
der Firma Karmann, Martinistraße, durchführen.
Neuaufbruch und Vereinigung
der Gemeinschaften und Jugendbünde
1945
Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg haben der Gemeinschaftsarbeit
schwere Wunden zugefügt. Die Neuorientierung setzt ein. Der Vorstand
der Landeskirchlichen Gemeinschaft Lange Straße 19 a und der
Brüderrat der Landeskirchlichen Gemeinschaft Immanuel be-schließen
die Vereinigung beider Gemeinschaften.
1946
Der Zusammenschluss wird vollzogen. Als Prediger wird Hans Schwägler
berufen. Die bisherige Gemeinschaft Lange Straße 19 a bringt
ihr Grundstück mit der Saalruine ein. Der Wiederaufbau wird geplant.

1947 Unter
Leitung von Diakonie-Schwester Helene Gruhlke sucht auch die Landeskirchliche
Gemeinschaft Johannisstraße den Anschluss. In einer beeindruckenden
Feier am 19. Januar 1947 wird die Vereinigung vollzogen. Auch die
verbliebenen Mitglieder der Jugendbünde haben sich zu einem Bund
zusammengeschlossen. Die Leitung ist Hermann Schweppe übertragen
worden. Nach den notvollen Erfahrungen des Krieges ist ein geistlicher
Aufbruch erfolgt, der sich auch im Versammlungsbesuch äußert.
Eine große Zahl von Flüchtlingen finden geistliche Heimat
in Gemeinschaft und Jugendbund. Neue Gemeinschaftskreise in den Orten
der Umgebung entstehen. Die Menschen, zumeist Flüchtlinge, verlangen
nach Bibel- und Gebetsstunden. Sie brauchen auch dringend soziale
Hilfe.
1948 Der
begonnene Wiederaufbau des Gemeinschaftshauses kommt durch die Währungsreform
in Gefahr. Am 18. Oktober stirbt der Vorsitzende Heinrich Gausmann.
Konrad Pegel wird zu seinem Nachfolger gewählt.
1950
Nach ungewöhnlichen Opfern an Geld, Zeit und Arbeitseinsatz der
Mitglieder kann der erste Bauabschnitt (Kleiner Versammlungssaal sowie
Hausmeister– und Schwesternwohnräume im Dachgeschoss) vollendet
werden.
1952 Der Jugendbund errichtet
im verbliebenen Teil der Ruine eine Nissenhütte mit großem
Versammlungsraum und zwei Gruppenräumen.


1960
Der zweite Bauabschnitt wird vollendet. Nunmehr stehen auch der große
Saal und zwei Jugendbundräume zur Verfügung.
Die
Neuere Geschichte
1984
Im Laufe von mehr als zwei Jahren ist das
Gemeinschaftshaus unter erheblicher Eigenleistung unserer Mitglieder
und Freunde umgebaut und saniert worden.


1995
Nach 45 Jahren muss das Dach auf dem Vorderhaus
erneuert werden.